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Ausgrabungen am geschichtsträchtigen Hofhügel
in Chur

 

Im Mai 2012 beginnen die Bauarbeiten für die beiden neuen Untergeschosse des Bischöflichen Schlosses an der Hofstrasse. Vor dem Aushub der bis zu acht Meter tiefen Baugrube an der Ostseite des Hofes erfolgt der Abbruch des zweigeschossigen, im 19. Jahrhundert errichteten Gebäudes sowie der Garagen und Gartenmauern. Der Archäologische Dienst Graubünden wird die Arbeiten von Anfang an überwachen und die im Boden erhaltenen Baureste und archäologischen Schichten dokumentieren. Nach dem Aushub werden die bis ans Ende der letzten Eiszeit zurück reichenden Ablagerungen und Kulturzeugnisse endgültig verschwunden sein. Aufgrund früherer Untersuchungen innerhalb des Hofes und im nördlich vorgelagerten Gelände können im Bauareal Zeugnisse der Siedlungstätigkeit von der Stein- bis in die Neuzeit erhalten sein. Historische Darstellungen, welche die Topografie und die Bauten an der östlichen Aussenseite des bischöflichen Hofes zeigen, gehen bis ins 17. Jahrhundert  zurück.

 

Erste Erkenntnisse zu den zu erwartenden Schichten und Befunden konnten in Baugruben und Leitungsgräben in der Hof- und Arosastrasse gewonnen werden. Unter Anschüttungen und Strassenniveaus der Neuzeit sind Mauern dokumentiert, die sich ins Bauareal fortsetzen.

 

 

 

 

 

Fall Jenatsch: Archäologischer Dienst Graubünden öffnet mutmassliches Grab  

 

In der Churer Kathedrale wurde Mitte März 2012 das angebliche Grab des Jörg Jenatsch (1596-1639) geöffnet, eines Anführers der Bündner Truppen im Dreissigjährigen Krieg. Gemäss Überlieferung wurde Jenatsch im Januar 1639 – während der Fasnacht – mit einem Beil erschlagen und in der Kathedrale beigesetzt. Nun lässt der Archäologische Dienst Graubünden den Inhalt des Grabes auswerten. Bereits 1959 hatte der Zürcher Anthropologe Erik Hug den Leichnam exhumiert.

 

Die Identifikation erfolgte aufgrund der Kleider und einer Schädelfraktur. Es blieb aber unsicher, ob tatsächlich der richtige Leichnam gefunden wurde. Nun sollen neue anthropologische und pathologische Erkenntnisse gewonnen werden, hinsichtlich Körperbau, Geschlecht oder Verletzungen. Eine Quelle zur Identifikation stellt nach wie vor die Garderobe dar. Anhand von Blutresten auf Kleidungsstücken sollte ursprünglich ein DNA-Profil erstellt und mit anderen Profilen von noch lebenden Nachfahren der Familie Jenatsch verglichen werden. Da sich auf den Kleidern zu wenige Blutreste fanden, hat man das Grab mit dem Segen von Bischof Vitus Huonder für weitere DNA-Proben geöffnet. Gleichzeitig wurde der Kopf des Toten ins Kantonsspital Graubünden gebracht, wo ein Schädelscan erfolgt. Dieser kann später als 3D-Vorlage dienen zur Rekonstruktion des mutmasslichen Aussehens des Toten zu Lebzeiten.

 

Aus Rücksicht auf die Kirchgänger dauerte die Forschungsarbeit an der Grabstelle nur einen Tag. Zugang erhielten allein die Forscher mit spezieller Schutzkleidung, um weitere Kontaminationen der Gebeine zu verhindern. Am Donnerstag, 15. März 2012, wurde über die durchgeführten Arbeiten in einer Medienorientierung informiert, Ergebnisse aus den Untersuchungen sind im Verlauf der nächsten Wochen zu erwarten.

 

 

 

Erhitzt und geschmolzen – römische Glasöfen in der Churer Altstadt entdeckt

 

In der Churer Altstadt sind bei Ausgrabungen im nicht unterkellerten Anbau der Liegenschaft Süsswinkelgasse Nr. 9 Reste von mehreren römischen Öfen zur Produktion von Glasgefässen entdeckt worden. Der am besten erhaltene Schmelzofen weist einen Innendurchmesser von 40 cm auf, errichtet ist er aus Lehm und Kieseln. Als Folge der grossen Hitze, die über 1000 Grad erreichte, ist der Lehm im erhaltenen Feuerungsraum dunkelrot gebrannt. Von der Kuppel des ursprünglich etwa 1.5 m hohen Ofens sind keine Reste mehr vorhanden. Typische Glasabfälle wie Tropfen und in der Asche erstarrter Glasfluss sind aber eindeutige Indizien für eine Ofentenne, auf der das Tongefäss mit der zu schmelzenden Glasmasse stand. Mit der sogenannten Pfeife, einem langen Rohr aus Eisen, entnahm der Glasbläser die zähflüssigen Glasklumpen aus dem Ofen und formte daraus die unterschiedlichen Gefässformen. Für die langsame, gleichmässige Erstarrung und Abkühlung der fertigen Gläser stand in der Nähe ein sogenannter Abkühlofen, in dem die Ware bei 400-500 Grad etwa einen Tag lang blieb.

 

Aufgrund weniger Fragmente von Gefässen aus Terra sigillata kann die Produktionszeit der Churer Glasöfen ins 2./3. Jahrhundert datiert werden. Die Öfen standen in einem, wahrscheinlich allseitig offenen Holzbau. Die Entdeckung dieser für Graubünden bisher einzigartigen  Glasmanufaktur am Fuss des Hofhügels lässt vermuten, dass die mit Feuer agierenden Handwerksbetriebe (Glas, Keramik, Schmiede) in sicherer Entfernung zur eigentlichen, auf der anderen Seite der Plessur im Welschdörfli gelegenen römischen Siedlung standen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rothenbrunnen, Burgruine Hochjuvalt

 

Die Burg Hochjuvalt befindet sich am Eingang zum Domleschg in der Talenge zwischen Rhäzüns und Rothenbrunnen. Der heute noch markant aufstehende Mauerzahn war einst ein 5-geschossiger Wohnturm hoch über der Talenge und im Hochmittelalter Teil einer grösseren Burganlage der Herren von Juvalt. Zur Burg gehörte auch eine Talsperre am Fusse der vorragenden Felsrippe. Diese bestand aus einem weitläufigen Mauergeviert mit zwei Toren, durch die die alte Strasse auf der rechten Talseite führte.

 

1940 bekamen die mittelalterlichen Mauern der Talsperre noch einmal eine Wehrfunktion. In den Burgfels wurde während dem 2. Weltkrieg eine militärische Festung gebaut, die hochmittelalterliche Talsperre erhielt ein weiter gefasstes Panzerhindernis aus Betonblöcken. Dank der Initiative von Felix Nöthiger konnte die Talsperre in den Jahren 2010/11 freigelegt und die Ruinenmauern gesichert werden.

 

Seit Anfang April 2012 werden die Freilegungsarbeiten auf dem Felssporn fortgesetzt. Dabei zeigt sich, dass die Burganlage nebst dem hoch aufstehenden Turmzahn aus weiteren Bauten bestand. Der Turm wies einst an der Süd- und Westseite Anbauten auf. Etwas tiefer konnte in extremer Hanglage ein Palasbau mit den Aussenmassen von ca. 8 x 20 Meter freigelegt werden. An der Rückseite des Palas bestand eine in den Fels eingetiefte Filterzisterne mit einem Durchmesser von ca. 8 Metern. In dieser wurde das Dachwasser des Palas aufgefangen und filtriert. Zudem war der Felssporn durch weitläufige Umfassungsmauern gesichert. Die Sicherungsarbeiten auf dem Felssporn werden vom Archäologischen Dienst begleitet und dokumentiert. Schliesslich soll der Turmzahn durch einen gemauerten Stützkeil für kommende Generationen gesichert werden.

 

 

 

 

 
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